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Führung in Institutionen des Wissens

Mensch. Markt. Führungskraft. mit Birgitta Wolff, Präsidentin der Universität Frankfurt, am 01.10.2018
Führung in Institutionen des Wissens
Führung in Institutionen des Wissens
© Prof. Dr. Birgitta Wolff

Im jüngsten Gespräch im Rahmen der Reihe Mensch. Markt. Führungskraft.“ gab Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Universität Frankfurt, Einblicke in das Management von Expertenorganisationen.

“In Expertenorganisationen gibt es Grenzen dessen, was Sie vorschreiben können”, sagte Prof. Birgitta Wolff in einem Gespräch vor etwa 60 Gästen in der Industrie- und Handelskammer im Zentrum Frankfurts am Montag, 1. Oktober 2018. „Sie können eine Universität nicht führen wie ein Polizeipräsidium.“

Frau Wolff weiß, wovon sie spricht: Seit Januar 2015 ist sie Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt. Davor führte sie das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, einem Bundesland der Größe Hessens. Nach ihrem Abschluss in Betriebswirtschaft lehrte sie an der School of Foreign Service der Georgetown University in Washington D. C.; später wurde sie als Professorin an die Universität Magdeburg, der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt, berufen. Begonnen hatte sie ihre Karriere mit einer Banklehre, die sie nach wie vor als persönliche Bereicherung ihres Lebens einschätzt.

Die beste Art, um eine Organisation für Forschung und Lehre zu führen, sei es, „immer ein paar mehr Ideen als andere zu haben“, sagte Frau Wolff. Sie arbeite mit Kollegen, die sich mit derart komplexen Fragen beschäftigten, dass sie nicht in der Lage sei, ihnen zu vorzuschreiben, was sie zu tun hätten. Mit lauter Stimme Anweisungen zu geben sei in einem solchen Umfeld weniger wichtig – auch wenn es manchmal helfe, um eine fruchtlose Diskussion zu beenden. Für sie, sagte sie, sei es immer nachrangig, ob die Kollegen die Ideen, von denen sie sie überzeugte, ihr zuschrieben oder ob sie glaubten, sie seien von selbst darauf gekommen.

Umso wichtiger sei es, sich streng an formale Regeln zu halten. Frau Wolff verglich ihre Rolle mit der eines Fußball-Schiedsrichters, im Gegensatz zu der eines Trainers. Die gleiche Logik gelte auch für Märkte, fügte sie hinzu: „Märkte sind per Definition organisiert; sie beruhen auf rechtlichen und internen Standards.“ Standards, welche die richtigen Anreize geben, seien sogar bedeutsamer für das Funktionieren solcher Institutionen als Individualethik. Zugleich müssten die Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen.

Auf die Frage des Moderators Meinhard Schmidt-Degenhard, wie man in einer solchen Rolle damit umgehe, gelegentlich auch zu scheitern, antwortete Frau Wolff: „Wissenschaftler scheitern ständig. Unsere Forschungsanträge werden oft abgelehnt. Aber das bedeutet einfach, dass wir sie überarbeiten müssen.“ Scheitern könne als „heilsamer exogener Schock“ dienen und dazu beitragen, Selbstgefälligkeit zu überwinden.

Der Abend war der dritte im Rahmen der Reihe „Mensch. Markt. Führungskraft“, gemeinsam organisiert von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in Frankfurt und der Deutschen Börse. Ingrid Haas und KEB-Leiter Markus Breuer hoben in ihren Einführungen beide hervor, dass es bei der Reihe darum gehe, Diskussionen über Ethik und Wirtschaft in Gang zu bringen.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe findet am 15. November 2018 statt: Zu Gast ist dann Thomas Rusche, Geschäftsführer der SØR Rusche GmbH, ein mittelständisches Bekleidungsunternehmen. Anmeldungen sind möglich unter: keb-dialog@bistumdeutsche-boerselimburg.com.
(Achim Brosch)