Kategorien &
Plattformen

Kirche am Limit

Ist die Kirche mit dem Frauenpriestertum schon am Limit?
Kirche am Limit
Kirche am Limit
© Maximilian Röll

Zu Gast in Sankt Georgen

Über die Frage, ob Frauen zu Priesterinnen geweiht werden sollten, darin waren sich die vier Diskutierenden in Sankt Georgen einig: Ja, sie sollten! Streit gab es auf dem Podium „Frauen sollen keine Priesterinnen werden können“ der KEB Frankfurt aber, ob und wie das möglich werden könnte.

Die Päpste und das Frauenpriestertum
Dabei erschien das Thema seit 1994 geklärt: Papst Johannes Paul II. erklärte, die Kirche habe keine Vollmacht, Frauen zu weihen. Laut Prof. Dr. Georg Bier, Kirchenrechtler der Universität Freiburg, hat er „die Tür zugeschlossen und den Schlüssel weggeworfen“. Auch Papst Franziskus hat bekundet, seinem Vorgänger in diesem Punkt zu folgen. Der Freiburger Professor sieht, dass diese Botschaft den Zuhörerinnen im Saal keine Hoffnung mache. „Aber ich bin hier, um ihnen zu sagen, was Sie zu erwarten haben. Nix!“

Göttliches Recht
Kirchenrechtlich habe der Papst die Frage so definiert, dass es sich um göttliches Recht handle. Damit könne der Mensch darüber nicht mehr verfügen. In der Kirche legten der Papst und die Bischöfe fest, was göttliches Recht sei. Das könne sich auch ändern, wendete Christiane Florin ein, die ein Buch „Der Weiberaufstand“ geschrieben hat. Es gab auch Zeiten, in denen es als göttliches Recht galt, dass Frauen nicht in Chören mitsingen dürfen. Jetzt müsse man mancherorts schon Männerstimmen mit Frauen besetzen.

Historische Gründe
Laut Bier lässt es sich schwer sagen, wieso die Hierarchie immer noch am exklusiven männlichen Priestertum festhält. Vielleicht sei man dort in archaischen Vorstellung und patriarchalem Denken verhaftet. Das stamme aus einer Zeit, in der Frauen in der Öffentlichkeit nichts zu sagen hatten. Darauf beziehe sich der Papst, der nur sage: „das haben wir noch nie so gemacht.“

Machtfrage
Für Altabt Martin Werlen ist es nur eine Machtfrage. Es gebe keine theologischen Gründe, Frauen vom Weiheamt fernzuhalten. Er habe bei der vergangenen Wahl des Abtprimas der Benediktiner vorgeschlagen, eine Äbtissin zu wählen. Das Amt habe nichts mit Weihe zu tun und sei rein repräsentativ. Die Entscheidung der Äbte viel negativ aus, Begründung: „Es ist noch zu früh.“ Das war 2016.

Die Kirche ist es wert
Jacqueline Straub, die für ihre Weihe als Priesterin kämpft, betonte, sie streitet nicht nur für sich und andere Frauen, die sich berufen fühlen. Sondern auch für die Kirche: „Sie ist es wert, dass ich mich für Reformen einsetze.“

Weiberaufstand
Moderatorin Britta Baas fragte, ob sich die Frauen die Ämter nehmen sollten. Dem widerspricht Bier. „Von wem denn?“ In der katholischen Idee könnten nur die Bischöfe die Weihe spenden.

Hierarchie
Straub glaubt nicht, dass Bischöfe durch Weihe für Argumente unzugänglich würden. Aber sie befürchteten einen Karriereknick. „Ich finde gut, was du machst, aber ich kann mich dazu nicht positionieren“, hört Straub auch von Klerikern.

Für Werlen und Bier fängt das Problem schon bei der Auswahl der Bischöfe an. Vor jeder Wahl steht eine gründliche Analyse, bei der Personen, die in Fragen wie dem Frauenpriestertum von der römischen Linie abwichen, ausschieden. „Je höher sie kommen, umso weniger andere Meinungen werden sie treffen“, so Bier.

Der Kampf geht weiter
Straub hofft noch auf den Aufstand von unten: „Wir müssen lauter werden als der Bischof von Rom.“ Florin ist pessimistischer. Katholikinnen und Katholiken seien zu brav. Der Weiberaufstand bleibe daher wohl aus. Man könne das System nicht ändern, höchstens ausgründen. Aber Papstworte seien kompostierbar, darauf setze sie ihre Hoffnung. Florin fordert dennoch auf, den Mut nicht sinken zu lassen. Vielleicht erlebe sie nicht mehr die Weihe von Frauen. Aber um in den Spiegel schauen zu können, kämpfe sie weiter und forderte auch dazu alle anderen auf.
(Maximilian Röll)