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Was machen Muslime an Weihnachten?

Was machen Muslime an Weihnachten?
Was machen Muslime an Weihnachten?

"Wenn man ein paar Jahre in Berlin lebt, verklärt man etwas seine Heimat" sagte Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Mit Heimat meinte er aber nicht Syrien, wo sein Vater herstammt, sondern seine Geburtsstadt Aachen.

Unter dem Motto: „Was machen Muslime an Weihnachten“ sprach Mazyek mit dem Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard beim Kamingespräch im Liebfrauenkeller in Frankfurt. Er habe über seine Mutter christliche Verwandte und sei darüber mit Weihnachten in Verbindung gekommen, so Mazyek. Obwohl Weihnachten im Koran vorkommt, sei es für Muslime kein eigenes Fest. “Aber wir freuen uns, wenn Christen, Gott sei Dank, es feiern.“

Der Dialog, der in seiner Herkunft angelegt ist, zieht sich bei Mazyek durch die gesamte Laufbahn. „Ich bin in den katholischen Religionsunterricht gegangen und konnte mit dem Lehrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Dialog herausarbeiten. Das hat mich geprägt.“

Da ihm der Austausch so wichtig ist, macht ihm der mediale Diskurs Sorgen. “Ich bekomme selbst Angst vor dem Islam, wenn ich die Zeitung lese.“ Es gebe eine Differenz zwischen der Wahrnehmung und der Wirklichkeit. Die Menschen glaubten etwa laut statistischen Untersuchungen, dass die Zahl der Anschläge in den letzten Jahren gestiegen sei. Tatsächlich sei die Zahl gesunken.

Mazyek leugnet nicht das Problem der Radikalisierung. Dabei gehe es aber nicht um Religion. Er plädierte für eine Trennung zwischen Menschen, Religionen und was der Mensch daraus mache. Radikalisierung hängt laut Mazyek mit dem Bedürfnis nach Macht zusammen. Die Menschen missbrauchten dafür die Religion.

Schmidt-Degenhard fragte, ob der Islam sich zur Radikalisierung besonders eigne. Das verneint Mazyek. Im Gegenteil. Der Islam sei prädestiniert, um anderen Religionen auf Augenhöhe zu begegnen. Als letzte der großen monotheistischen Religionen beziehe er sich auf die Tora und die Evangelien. Das zeige der positive Umgang mit Christen in der islamischen Welt, den es in den vergangenen Jahrhunderten gegeben habe.

Ein weiterer Faktor: Es gibt laut Mazyek keinen einheitlichen Islam. Die größten Gruppen seien Sunniten und Schiiten, die in zahlreiche Unterströmungen zerfallen. Die gebe es seit Jahrhunderten. Die islamische Welt übe so, respektvoll mit anderen Ansichten umzugehen.

Die Ausnutzung der Unterschiede innerhalb des Islams für Terror und Krieg seien ein Phänomen der Politisierung. Das beträfe vor allem den Nahen Osten. Das ist für Mazyek aber kein Zeichen einer restaurativen Tendenz. Vielmehr der Krise.

Die Situation im Nahen Osten wirke auf andere Weltgegenden, etwa auf Deutschland. Dort gebe Schwierigkeiten für die Islamverbände, als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt zu werden. Die Politik besitze keinen Fahrplan für den Prozess, meinte Mazyek. So verzögerten sich die Verfahren und seien empfindlich für Störungen aus dem Nahen Osten. Der religiös neutrale Staat brauche aber die Verbände, etwa für den Religionsunterricht.

Auch der Dialog werde in den nächsten Jahren stagnieren, so Mazyek. “Ich weiß was der andere denkt, und ich muss ihm nicht mehr zu hören.“ Das sei zunehmend die Meinung beider Gesprächspartner. Mazyek: „Wir müssen von unserem Anspruch her bescheidener werden. Wenn wir wie heute friedlich und offen miteinander gesprochen haben, dann ist etwas gewonnen.“

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