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Weihnachten müsste erfunden werden

Die Kirche und die Frauen
Weihnachten müsste erfunden werden
Weihnachten müsste erfunden werden
v.l.n.r.: Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch mit Uwe Becker, Bürgermeister von Frankfurt, Stadtkämerer sowie Dezernent für Finanzen, Beteiligungen und Kirchen © Maximilian Röll

„Wenn es Weihnachten nicht gebe, müsste man es erfinden“, so Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard. Damit das Fest gelingt, gab es eine Gebrauchsanweisung für Weihnachten mit Uwe Becker, Bürgermeister von Frankfurt, Stadtkämerer sowie Dezernent für Finanzen, Beteiligungen und Kirchen im Klosterkeller Liebfrauen.

Was macht deutsches Weihnachten aus?

Weihnachten hat laut Becker viel mit Ritualen zu tun. Die Erwachsenen nehmen viele Vorstellungen aus ihrer Kindheit mit. Als „Fest der bürgerlichen Familie“ sei es stark geprägt. Was macht ein solches deutsches Weihnachten für Becker aus, fragte Schmidt-Degenhard?

An Weihnachten komme viel zusammen: Das beginne mit dem Grundton der Jahreszeit; es sei ein Geburtstagsfest für Jesus; ein Familienfest. Dazu komme die häufig stressige Adventszeit davor und die Entspannung nach dem Fest. Das alles verbinde sich zu einem emotional intensiven Moment.

Typisch deutsch sei für den Bürgermeister auch eine Tendenz, inne zu halten, Bodenhaftung zu gewinnen. Weihnachten hat für Becker viel mit Besinnung zu tun auf das, worauf es ankommt. Dazu gehöre auch innere Ruhe.

Die katholische Seite?

Diese findet Becker leicht. Er gehe mit einer positiven Erwartungshaltung an die Themen heran, das beschere ihm eine innere Gelassenheit. Das hänge auch mit seiner religiösen Einstellung zusammen. Er beschrieb sich als liberalen Katholiken. Für ihn bedeute das eine gewisse Lebensfreude, ein stabiles Fundament, die Pflege von Tradition und die Offenheit für neues, zugleich verortet zu sein in dem, was über das hier und jetzt hinausgeht.

Was macht Religion in Frankfurt aus?

Mit dieser Einstellung gehe er auch an den Ökumenischen Kirchentag heran und hofft, in der Ökumene voranzukommen. Die Kultur in Frankfurt könne da dienlich sein. Die Stadt zeichne sich durch eine pragmatische Debattenkultur aus, die auch ökumenisch wirke, meinte Becker mit Blick etwa auf das Haus am Dom und die Evangelische Akademie. Zudem sei Frankfurt religiöser, als es den Anschein habe. Allerdings gehörten nur noch ca. 40 Prozent zu den beiden traditionellen christlichen Kirchen. Daneben gebe es ca. 160 Religionsgemeinschaften. Damit habe Frankfurt nicht nur so viele Religionen wie sonst keine andere Kommune in Deutschland. Da sich keine Parallelgesellschaften entwickelt hätten, sei die Stadt durch eine große Vielfalt geprägt.

Gelingt in Frankfurt Friede?

Das berge auch Herausforderungen. Zwar stehe ein Chanukka-Leuchter am Opernplatz, um an das jüdische Fest zu erinnern. Auf der anderen Seite müssten die Kinder der jüdischen Schule unter Polizeischutz in den Unterricht gebracht werden. Zugleich habe sich die Gesellschaft an die Bedrohungslage gewöhnt. „Welche Debatte würden wir führen, wenn das für alle Kinder gelten würde?“ fragte der Bürgermeister.

Christliches Frankfurt

Die Multireligiosität werfe auch die Frage auf, wieso die Stadt sich finanziell so stark für die großen christlichen Gemeinschaften engagiere. Das erklärte Becker zum einen mit historischen Gründen. Wegen der Säkularisation gehören die Kirchen der Stadt, laut dem Dotationsvertag können die jeweiligen Gemeinschaften diese nutzen. Zum anderen gehe es auch darum, jene Kultur zu bewahren und zu pflegen, für die das Christentum steht.

Beckersche Weihnachten

Für Weihnachten muss auch in Familie Becker traditionell viel vorbereitet werden. Dazu gehörten: Die Grippe, gerne auch mit Smartphone-Josef; der Weihnachtsbaum, ohne echte Kerzen; der Adventskranz, mit echten Kerzen. Das alles seien Rituale, die Halt geben. Neben den erwachsenen Kindern sind die Schwiegereltern dabei. Es gibt auch Geschenke. Trotz des Vorbereitungsstresses sieht Becker freudig und erwartungsvoll auf Weihnachten. Dazu passend hat der Bürgermeister ein Lieblingslied in der Festzeit: Oh du Fröhliche.
(Maximilian Röll)