05.12.2017

Integration geht mit Religion

Zu Gast in Sankt Georgen

Links: Kai Klose, Staatssekretär; Mitte: Moderatorin des hr; rechts: Bischof Georg Bätzing; Foto: KEB Frankfurt

FRANKFURT. „Die Kirchen zeigen, was religiöses Engagement ausmacht!“ sagte Bischof Georg Bätzing auf der Podiumsdiskussion „Integration mit|trotz|ohne Religion?“, an der er mit Kai Klose, Staatssekretär und hessischer Landesbeauftragter für Integration und Antidiskriminierung, teilnahm.

Bätzing betonte nicht nur die Rolle der Kirche in den beiden vorangegangenen Jahren der Flüchtlingskrise. Religion ist laut dem Bischof für die Integration wichtig. Es ginge nun nicht mehr darum, die Geflüchteten mit Nahrung und Unterkunft zu versorgen. Die psychologische Dimension werde entscheidend.

Dem stimmte Klose zu. Damit die Menschen ihre Flucht verarbeiten könnten, richtet Hessen derzeit mehrere Traumatazentren ein. Die Rolle der Kirche sah Bätzing darin, für Flüchtlinge Orte der Ruhe und der Sicherheit zu schaffen. Zum Beispiel in Frankfurt: Die verschiedenen ausländischen Gemeinden, etwa Eritreer und Maroniten, bildeten Anlaufpunkte für Christen und Muslime aus Afrika und Syrien.

Wegen Frankfurt, das in seinem Bistum liegt, wurde Bätzing auch in der Deutschen Bischofskonferenz mit dem interreligiösen Dialog betraut. In der Mainmetropole praktiziere man intensiv den Dialog der verschiedenen Religionen, so der Bischof.

Während für Klose Religion kein vorrangiges Thema für den Integrationsprozess spielt, besitzt sie für den Bätzing einen höheren Stellenwert. Sie sei ein Menschenrecht und eine Chance für den Dialog. Verschiedene Religionen machten, vom Staat geschützt, eine vielfältige Gesellschaft aus. Dadurch könnten sich Christen und Muslime in ihren eigenen Gemeinschaften einbringen.

Die Pluralität bilden für Klose die zahlreichen religiösen und weltanschaulichen Akteuren ab, die Kindergärten und Krankenhäusern betreiben. Das ermögliche den Menschen Wahlfreiheit, die den säkularen Staat auszeichne. Das sah Bätzing als Schlüssel für Integration. Muslime könnten etwa wahrnehmen, dass katholische Krankenhäuser von Werten geprägt werden, die sie teilen. Wo es Schwierigkeiten gebe, bräuchten die Muslime allerdings häufiger eine Heranführung an die Kultur des Hauses.

Bätzing bejahte die Frage von Moderatorin Isabel Reifenrath, ob er sich ein muslimisches Krankenhaus vorstellen könne: "wenn die Bedingungen passen, dann ja, dann muss ich es verteidigen.“ Klose ergänzte, der relevante Punkt sei, es dürfe niemand ausgegrenzt werden. „Dann muss der Staat eingreifen.“

Um das zu verhindern, sei ein Dialog mit den Muslimen wichtig. Auch die Kirche übernimmt laut Bätzing Verantwortung. Sie bemühe sich um einen intensiveren Kontakt zu muslimischen Gesprächspartnern. Im nächsten Jahr sei im Frankfurter Haus am Dom eine zentrale Veranstaltung der katholischen Bischofskonferenz mit muslimischen Organisationen geplant.

Freilich gebe es auf beiden Seiten Schwierigkeiten. So haben Staat und Kirche laut Klose Probleme mit den muslimischen Ansprechpartnern. Die Kirchen seien als Partner des Staates etabliert und würden die Mehrzahl der christlichen Gläubigen repräsentieren. Solche Institutionen gebe es auf islamischer Seite nicht, was sich etwa im Religionsunterricht auswirke.

Die Frage der Moderatorin, ob Integration ohne Religion nicht einfacher wäre, verneint Klose: „Es ist unsere Aufgabe, die Menschen so zu integrieren, wie sie sind.“ (mb)

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